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Artikel:

Die Unerkennbarkeit der Metamorphose: Zur Kanonbildung in der slowenischen Kinder- und Jugendliteratur in der Zeit des Sozialismus (Peter Svetina)

Abstract:

Der Kommunismus veränderte nach dem Zweiten Weltkrieg das Bild der Jugendliteraturen in den kommunistischen bzw. sozialistischen Ländern. Am Beispiel der slowenischen Kinder- und Jugendlitertaur lässt sich dieser Wandel exemplarisch nachzeichnen. Der literarische Kanon der slowenischen Jugendliteratur bildete sich in der Zwischenkriegszeit im Einklang mit den Werten der bürgerlichen Gesellschaft aus. Diesem Kontext entwuchs auch der im Jahr 1936 erschienene Roman Bratovšina Sinjega galeba (Die Bruderschaft der Blauen Möwe) von Tone Seliškar. Nach dem Zweiten Weltkrieg erschien der Roman jedoch in überarbeiteter Form: Betont wurden jene Teile des Romans, in denen die sozialistische Idee von der Macht des Arbeiterkollektivs bestätigt wurde, verändert oder gestrichen aber jene, in denen eine bürgerliche Mentalität zum Ausdruck kam. Die zentrale Frage, auf die der vorliegende Artikel deshalb eine Antwort geben möchte, ist folgende: Worin bestanden die Mechanismen der (Um-)Gestaltung des literarischen Kanons der slowenischen Jugendliteratur in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts? 

Es gibt eine ganze Reihe von Mechanismen der (Um-)Gestaltung des literarischen Kanons der slowenischen Jugendliteratur in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Einer davon besteht in der stilistischen (vor allem lexikalischen) Änderung des Textes, die nur scheinbar lediglich eine sprachliche Änderung ist, in Wirklichkeit aber geht es um eine ideologische Änderung des Textes. Das ist sehr schön erkennbar an der Überarbeitung des Romans Bratovšina Sinjega galeba von Tone Seliškar. Ein weiterer Mechanismus besteht in der Schaffung von Kontinuität: etwa durch die Aufnahme eines Werkes aus dem Verlagsprogramm der Zwischenkriegszeit oder durch die Beibehaltung einiger Buchausgaben, die in der Nachkriegszeit mit eingeschränktem Inhalt erschienen sind. Zensur und Autozensur sind weitere Mechanismen, mit deren Hilfe der Kanon der Jugendliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg umgestaltet wurde, was besonders an Übersetzungen ersichtlich ist, aber auch im Verschweigen bzw. der Unerhältlichkeit von Kinder- und Jugendliteratur einiger Autorinnen und Autoren der Zwischenkriegszeit.

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