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Artikel:

Ritterdarstellungen in der geschichtserzählenden Kinder- und Jugendliteratur der DDR (Sebastian Schmideler)

Abstract:
Die geschichtserzählende KJL der SBZ/DDR war in besonderer Weise geeignet, sozialistische Postulate zu propagieren. Dies lässt sich innerhalb mittelalterbezogener Texte insbesondere anhand von Ritterdarstellungen nachweisen. Welches Ritterbild innerhalb dieser Perspektivierungstendenzen in der KJL der DDR propagiert wurde, soll exemplarisch anhand von vier Beispielen gezeigt werden. Vorgestellt wird das Ritterbild in einer Romantrilogie als Beispiel für die Rezeption im historischen Jugendroman, sodann das Ritterbild in einem Kinderbuch. Es folgen einige ritterbezogene Geschichtserzählungen für den Schulunterricht als Belege für die sog. "Sachliteratur" sowie ausgewählte Ritterdarstellungen in Adaptationen mittelalterlicher Epen als Beispiele für die Quellenrezeption mittelalterlicher Stoffe. Die in der KJL der DDR vermittelten Ritterbilder changierten zwischen systemkonformen Interpretationen im Sinne der marxistischen Feudalismustheorie (Gode), in denen zum Teil traditionelle Geschichtsmythen fortgeschrieben werden (Mühlstädt), und märchenhaft romantisierenden Ritterbildern, die sogar im Kinderbuch im Sinne der Konzeption des sozialistischen Realismus mit der sozialen Wirklichkeit des 19. Jahrhunderts konfrontiert wurden (Talke). Das Gegensatzpaar „Herr und Knecht“ dominierte, wobei die Sympathieträger der Geschichtsdarstellungen zumeist als Vertreter der „Knechte“ geschildert wurden. Ritter figurierten überwiegend als negativ konnotierte feudalistische Kontrastfiguren. Entgegen dieser Tendenz erkannte man in der KJL der späten DDR vor 1989 den literarischen Eigenwert mittelalterlicher Epen und der darin vermittelten Ritterbilder an (Fries).

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