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02/2009 Ideologie

Ist „Wo bitte geht’s zu Gott?“, fragte das kleine Ferkel von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke antisemitisch? Oder zeigt sich in der geplanten Indizierung des Buches eher die ideologische Religionsverhaftetheit verschiedener staatlicher Instanzen und der Presse? Unabhängig davon, wie man diese Frage beantworten möchte, machte die medial ausgetragene Diskussion im Frühjahr dieses Jahres auf jeden Fall klar: Wenn es um Ideologie im Kinderbuch geht, werden wir hellhörig. Ideologie im Kinderbuch klingt nach Nationalsozialismus, nach Kommunismus, nach Diktatur und Propaganda. Dabei jedoch existieren gar keine Geschichten ohne ideologische Färbung, sagt John Stephens: „A narrative without an ideology is unthinkable“. Und gilt das nicht gerade für die Kinder- und Jugendliteratur, die sich ja noch immer mehr als die Erwachsenenliteratur nach Moral und Aussage bewerten lassen muss?

In dieser Ausgabe von interjuli, übrigens der ersten unter neuem (sicherlich auch nicht ideologiefreien) Namen, befassen wir uns mit dem Schwerpunktthema Ideologie. So untersucht Ralf Palandt politische Comics im Kampf für und gegen Rechts, Mary Galbraith sinniert über die Ähnlichkeiten zwischen Van Allsburgs The Polar Express und Leni Riefenstahls Triumph des Willens und Dorothée Brandt betrachtet Lindgrens Ronja Räubertochter vor dem Hintergrund von Judith Butlers Genderperformanztheorie. Einen historischen Beitrag zur Ideologieforschung liefert Sebastian Schmideler in seiner Untersuchung von Feindbildern bei Gustav Nieritz, während Eva Lezzi die Shoahdarstellung in Bilderbüchern auf interkultureller Ebene untersucht.


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