Newsletter bestellen  . . Deutsch Englisch

01/2009

Die Kinder- und Jugendliteratur ist ein Stiefkind der Literaturwissenschaft. Literarisch anspruchslos, kulturell vernachlässigbar und ernsthaften wissenschaftlichen Interesses nicht würdig – die Ressentiments stammen aus einer anderen Generation der Literaturforschung und sind dennoch weiterhin tonangebend. Literatur für junge Menschen wird so oftmals lediglich auf ihre pädagogische Wirkung hin untersucht. Diese Konzentration aber reduziert die KJL auf einen Aspekt: ihren Inhalt. Ihre künstlerische Seite, die Poesie, sprachliche Kreativität und Schönheit, die einer Untersuchung mehr als würdig sind, bleiben häufig unbeachtet. So ist die Forschungsgemeinde denn, um es in John Rowe Townsends Worten zu sagen, noch immer gespalten zwischen den book people und den child people. Es fehlt an ForscherInnen und Institutionen, die diese Schlucht überwinden.

Juli will eine Brücke über diese Schlucht sein. Und weil Brücken, wie Aidan Chambers schreibt, „immer etwas damit zu tun haben, Getrenntes zu verbinden und Sachen zusammenzubringen, die anders nicht zusammenkommen können”, haben wir uns der Interdisziplinarität und Internationalität verschrieben. Diesem Anspruch, so glaube ich, werden wir schon in unserer ersten Ausgabe gerecht. Unsere Autorinnen und Autoren kommen nicht nur aus verschiedenen Ländern, sondern nähern sich der KJL auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Sonja Klimek belegt anhand zahlreicher Beispiele aus der fantastischen KJL, dass durch die logikwidrige Ebenenvermischung der Metalepse nicht, wie in der Erwachsenenliteratur, die ästhetische Illusion durchbrochen, sondern fantastische Einschnitte in die reale Welt erst plausibilisiert werden. Isabel Enzenbach zeigt antisemitische Botschaften in einer Neuauflage des Kalifen Storch auf und diskutiert anhand eines Briefwechsels mit dem zuständigen Verlag klassische Abwehrreflexe gegen die Aufforderung zu einem selbstkritischen Umgang mit judenfeindlichen Bild- und Texttraditionen. Im Themenblock UNTERRICHT UND SCHULE erörtert Wieland Schwanebeck anhand von Anthony McCartens Superhero die Möglichkeiten, aktuelle KJL in den Schulunterricht einzubinden und sich so jugendrelevanten Themen zeit- und altersgemäß zu nähern.


Inhalt