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02/2011 Migration

„Was wissen Mäuse denn von Panama?”, fragt uns der Erzähler in Oh, wie schön ist Panama - und gibt selbst die ernüchternde Antwort: „Nichts, nichts und wieder nichts.” Die Maus, so das unausgesprochene Credo, ist ignorant und kleingeistig, sie kommt nicht aus ihrem Loch heraus und hat keine Vorstellung von der Welt. Anders als Janoschs Maus sind die ProtagonistInnen von Migrationsgeschichten in der Kinder- und Jugendliteratur nicht lediglich in einer engen Welt beheimatet: Sie beherbergen verschiedenen Welten in sich, vereinen sie, leben zwischen ihnen, sie ziehen daraus Kraft und Inspiration – oder leiden unter Zerrissenheit und Fremdsein. Vor dem Hintergrund der nicht enden wollenden Debatten um Integrationsängste, vermeintliche Integrationsverweigerung und alltäglichen Rassismus erlaubt Kinder- und Jugendliteratur über Migration einen behutsamen Umgang mit dem Thema. Sie rückt die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen aus Migrationsfamilien in den Fokus der Mehrheitsgesellschaft, ermöglicht den Aufbau von Verständnis und Toleranz, das Verstehen von Einwandererkulturen und die Erkenntnis, dass die vermeintlichen Unterschiede manchmal gar keine sind und dass gar nicht alles so problembeladen ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Nach dem Blick über unseren Tellerrand auf die regionalen Zeugnisse anderer Ecken der Welt in interjuli 02/10 kriechen wir nun in weniger weit entfernte Mauselöcher: Wir betrachten das Thema Migration in der Kinder- und Jugendliteratur. Als Einstieg referieren Antje Graf, Johannes Kleine und Daniela Kölling die Thematisierung von Fremdheit in der aktuellen deutschsprachigen Migrationsliteratur für Kinder und Jugendliche. Erin Spring analysiert den Umgang mit Identität und Migration in zwei kanadischen Bilderbüchern und Jeong-Yong Kim gibt uns einen Einblick in multikulturelle Kinder- und Jugendliteratur in (Süd)Korea. Henriette Hoppe wirft einen Blick auf die Verwendung von Eigennamen in der interkulturellen KJL und Roni Natov untersucht die Repräsentation des kulturell ,Anderen’ in der migrationsbezogenen KJL.

Besonders einladen möchte ich Sie zur Lektüre des Interviews mit Aygen-Sibel Çelik, in dem sie über ihre Erfahrungen als Kinderbuchautorin und über die Redundanz und Notwendigkeit von Integrationsdebatten spricht.


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